Der Verlag befindet sich derzeit im Dornröschenschlaf. Dieser dauert bekanntlich 100 Jahre. Wir bitten also bis 2105 von Jobanfragen und Manuskriptzusendungen abzusehen. Auf diesen Seiten können Sie sich über die Verlagsaktivitäten der vergangenen Jahre informieren und sich zu eigenen Projekten inspirieren und anregen lassen. Auf der Starseite "Morpheo Aktuell" finden Sie ab März 2005 den "Morpheo Wetterbericht" - ein unregelmäßig erscheinendes kulturelles Streiflicht aus der Hauptstadt und wechselnde Tipps rund um das kulturelle Leben in Berlin/Brandenburg.
Anregendes Surfen und kreatives Schaffen wünscht der Morpheo Verlag Berlin
Info
Das bis vor kurzem hier inserierte Künstlerhaus "Schloss Nackel" ist leider in Privatbesitz verkauft worden. Also keine Zimmer mehr für den kreativen Rückzug. Schade.
Morpheo Wetterbericht
Sonntag, 4. September; Castrop-Rauxel ist die Partnerstadt von Zehdenick und verfügt über einen reiselustigen Wanderverein schnäpseken-trinkender Damen, die außerordentlich fröhlich und kontaktfreudig sind. Mit einem Aufgesetzten gestärkt und von besten Wünschen begleitet, finde ich den Weg in die Galerie des Klosters Zehdenick, wo eine Ausstellung von Christina Kubisch eröffnet wird. An die Hausfrauen aus dem Zug erinnert nur noch der hervorragende, selbstgebackene Kuchen einer Zehdenickerin, die Ausstellung und der Ausstellungsort lassen Bodenständiges ganz schnell vergessen. Gezeigt werden UV-Fotografien von Wänden und Strukturen, auf denen filigrane Ornamente, Zeichen und organische Formen sichtbar werden. Licht.Bilder nennen sich diese Arbeiten und sie sind in ihrer Poesie und Entrücktheit ein faszinierendes Beispiel dafür, dass im kleinsten Quadratzentimeter ein ganzer Kosmos verborgen liegen kann. Ein lohnenswerter Ausflug!
Noch bis 16. Oktober, Mitwoch-Sonntag: 13-18h, in der Klostergalerie Zehdenick - zu Fuß etwa 20 Min. vom Bahnhof. Auf jeden Fall auch noch das Dormatorium des Klosters anschauen!
Sonntag, 20. März; Wochenend und Sonnenschein, die Spree glitzert, die Krokusse blühn, der Tiergarten wimmelt von Menschen... es ist Frühling! Trotzdem hat es genügend Zuhörer in den "Streitraum" der Schaubühne gezogen. Gestritten wird über "Globalia", einen utopischen Staat unter großer Glasglocke, den der französische Intellektuelle und Arzt Jean-Christoph Rufin entworfen hat. Spannend, lebendig und hellsichtig. Dennoch: nach zwei Stunden tritt man gerne aus dem dunklen Saal wieder auf den sonnenbeschienenen Kudamm, reckt sich, streckt sich... Utopie war gestern, Frühlingsanfang ist heute!
"Globalia" ein utopischer Roman von Jean-Christoph Rufin, 2005
Freitag, 18. März; ein kurzes, wattewarmes Intermezzo geht zu Ende und es regnet nieselige Fädchen. Künstler, Kulturschaffende und ihr Publikum strömen einem Festakt in der "alten" AdK zu und laden die Luft im niedrigen Foyer mit klammer Feuchtigkeit auf. "Wolken ziehn vorüber" - ein tröstliches Motto des Abends, an dem Aki Kaurismäki den Berliner Kunstpreises 2005 verliehen bekommt. Das Highlight: die Aufführung einer Komposition des Preisträgers in der Sparte Musik Christoph Staude. Nach anfänglichem Befremden war dieses auf Violinen geflüsterte Klangbild das spannendste und merkenswerteste des Abends und die Erinnerung an die aufgeladenen, filigran verwobenen Töne die beste Begleitung auf dem Weg durch den Regen nach Hause.
Drei Kompositionen von Christoph Staude gibt es auf CD in der "Edition für Zeitgenössische Musik", Hrsg. Deutscher Musikrat
Donnerstag, 10. März; Wind immer noch eiskalt. Drei-Wetter-Taft-Frisuren auf dem roten Teppich im Sonycenter. Sandra Bullock im Zebra-Mini-Kleidchen einsam vor einer Handvoll Fotografen. Nebenevent aus Hollywood. Miss Undercover stakst ins Premierenkino und hier im Filmhaus, 5. Etage, schwenkt der Blick nach links unten in beängstigende Tiefen bis ins metallgraue Foyer des Kinos Arsenal. Ein erster, einsamer Gast sitzt vor einem der zwei Fernseher, die 14 skandinavische Kurzfilme zeigen. "Bring a friend" lautet der Titel und einer nach dem anderen trifft ein. Kein roter Teppich, aber auch Premiere: klein, fein, lustig, ohne Fotografen, dafür mit wirklich guten Filmen.
Bis 30.3.05 im Foyer des Kinos Arsenal, oder bis 28.3. in den Nordischen Botschaften. Noch mehr Kunst und Kultur aus Skandinavien im Rahmen des Festivals "Nord" bis 21. März. Info: www.nord.info
Sonntag, 6. März; Eiskalter Wind fegt spitzen Schneegriesel ins Gesicht auf dem weiten Platz vor der Neuen Nationalgalerie. "Gegenwelten" gibt es hier zu sehen und die wollen zurzeit scheinbar alle. Endlose Sonntagsschlange vor der Garderobe. Also lieber Nofretete und Hieroglyphen im Kulturforum nebenan. Antike statt 20. Jahrhundert, denke ich verhalten euphorisch, und dann die Überraschung: Nofretete im gläsernen Schneewittchensarg zentral im Raum, modern flankiert von Beuys, Cy Twombly, Warhol, Max Ernst u.a. Statt großer Gegenwelten eine kleine Auswahl berührend poetischer Positionen des 20. Jahrhunderts rund um die Bedeutung von Zeichen. Fragile Zeichnungen, Geheimschrift und seltsam-figürliches Seite an Seite mit der zeitlos schönen und unnahbaren Nofretete. Und siehe da: sie lächelt sehr lebendig.
"Hieroglyphen um Nofretete", eine Ausstellung im Berliner Kulturforum, bis 2.8.05 Info: www.smb.museum